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Ich schaute mir  eine Zelle an, die u.a. mit Fotos sehr persönlich eingerichtet war, als auf einmal hinter mir die Tür geschlossen wurde
Pamela Stolzenwald von Ostrowski hat Anne Heuer besucht

Ein Ehrenamt mit Auswirkung auf das weitere Leben eines Menschen - die Schöffin Anne Heuer hat viel Verantwortung. Und diese Verantwortung nimmt sie mit großer Emotionalität und Empathie wahr, das merke ich sofort, als ich das Vergnügen habe, mich mit Anne zu unterhalten.

Die Schöffen stehen dem Richter beratend zur Seite, sind an der Strafmaßfindung direkt beteiligt. Im Gegensatz zum Richter haben die Schöffen jedoch im Vorwege keinerlei Informationen über den Fall, sie bilden sich - im wahrsten Sinne des Wortes - ihr Urteil in der Verhandlung.
Alle 4 Jahre laufen Bewerbungsverfahren der Hansestadt Lübeck für das Amt des Schöffen. Es gibt Bewerbungsformulare, die man bei der Stadt einreichen kann. Dort werden neben den Personalien auch die Vita und der Grund der Eignung für dieses Amt abgefragt. Im Schnitt sind zwei Gerichtstermine pro Monat angesetzt, diese finden jedoch nicht immer statt.

Anne ist bereits in der 3. Periode Schöffin am Jugendgericht Lübeck, also seit 13 Jahren. Sie war Jahrzehnte Lehrerin, hat an ihrer Schule das Projekt der Streitschlichter intensiv begleitet und hat selbst Fortbildungen zu diesem Thema besucht. In ihrem Kollegium waren schon 2 Schöffen vertreten, die sehr erfüllt von dieser Aufgabe waren. Da war ihre Bewerbung quasi eine logische Konsequenz. Passend zu ihrem Lebenslauf ist sie nun Laienrichterin am Amtsgericht.

Plakat Schöffin


„Ich hatte ja tagtäglich mit Jugendlichen jeglicher Couleur zu tun und finde es sehr interessant, den Leitsatz umsetzen, dass Gesetze von Menschen für Menschen gemacht wurden,“ erklärt mir Anne ihren Grund für ihr Ehrenamt. Ihre Vita hat ihr Übriges dazu getan, schließlich kommt sie aus einem Juristenhaushalt, ihr Vater war selbst vorsitzender Richter. „Da wusste ich schon sehr genau, was da auf mich zukommt!“
Anne ist überzeugt, dass diese Art der Gerichtsbarkeit hilfreich sein kann. „Für viele Jugendliche ist eine Verurteilung ein richtiger 'Schuss vor den Bug'", begründet sie ihre Überzeugung. Allerdings bremst der Jugendrichter die Schöffen auch manchmal in ihrem Optimismus aus: „Den kriegen wir nicht mehr, das geht jetzt seinen Gang“, gerade bei Wiederholungstäterinnen oder -tätern. Da muss man als Laie und auch als Richter den nötigen Abstand haben, um solche Schicksale verarbeiten zu können.

Zur Vorbereitung hatten die Schöffen die Gelegenheit, den Jugendstrafvollzug zu besichtigen. Anne hatte von einem anderen Schöffen gehört, dass es auch passieren kann, die eigenen Schüler dort anzutreffen. Das ist ihr bei der Besichtigung glücklicherweise nicht passiert. „Ich schaute mir  eine Zelle an, die u.a. mit Fotos sehr persönlich eingerichtet war, als auf einmal hinter mir die Tür geschlossen wurde. Obwohl dies nur für ein paar Sekunden geschah, hatte ich ein sehr beklemmendes Gefühl.“ Dies war aber im Nachhinein durchaus hilfreich, um eine Ahnung von der Tragweite der zu verhängenden Strafmaße zu erhalten.

Ein wirklich aufreibendes und erfüllendes Ehrenamt. Meinen größten Respekt für dieses Engagement!

Wenn Du auch Lust hast, Dich ehrenamtlich zu engagieren, schau doch mal in unserer Stellenbörse - oder vereinbare einen Termin, bei dem wir gemeinsam eine passende Einsatzstelle für Dich finden. 
Wir freuen uns auf Dich! 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    

Kampagne Ehrenamt
Projektkoordination:
Melanie Wienicke
0451 30 50 405 
melanie.wienicke@epunkt.org

Fotos: 
Axel Baur
Grafik: 
Götz Lange

Die Einsatzstelle
           Nähere Infos zum Ehrenamt 
Schöffe/Schöffin findet Ihr im 
Bürgerservice der Stadt auf: 
www.luebeck.de
 Infobox Anne Heuer

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